Montag, 21. Juli 2014

Brauche ich Hilfe?

"Wann genau ist denn der Zeitpunkt, wo man externe Hilfe anfordern soll?
Wie merke ich, dass ich mich genau dieses Mal nicht mehr selber am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen kann? Muss das denn wirklich sein mit der externen Hilfe? Bringt die was?!? Bin ich denn jetzt krank oder was? Fragen über Fragen!"



Der Leidensdruck ist meist sehr gross bis eine Person Kontakt mit der Powermanagement GmbH aufnimmt - sei das aus eigenem Antrieb oder auf Geheiss des Vorgesetzten oder der HR-Abteilung. 
Und mit der Geduld verhält es sich meist gerade umkehehrt: Die ist verschwindend klein. Hat man erst mal Kontakt aufgenommen mit einer Arbeitspsychologin oder einem Arbeitscoach, möchte man aber SUBITO eine Veränderung sehen. Zeit also, auf obige Fragen zu antworten, bleibt wenig und zugehört wird auch nicht immer.
Bevor ich dennoch eine Antwort wage, erlaube ich mir, Ihnen zwei kurze Rückfrage zu stellen:
"Auf einer Skala von 1 - 10, wobei 1 sehr schlecht und 10 sehr gut bedeutet, wie geht es Ihnen gerade - aus beruflicher, privater, körperlicher, emotionaler, geistiger und sozialer Perspektive aus gesehen? Sind Sie mit diesen Werten zufrieden oder wollen Sie daran etwas verändern?"
Und eben haben Sie sich all die obigen Fragen grad selbst beantwortet. So einfach ist das manchmal mit uns Psychologen. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Sie externe Hilfe nötig haben, bevor ich Sie nicht kennen gerlernt habe. Ich rate Ihnen, auf sich selbst zu hören, denn Sie wissen ganz genau, wo Sie stehen, wie's um Sie steht. Hören Sie aber nicht nur auf sich selbst, denn wenn Sie sich über Jahre schon gewohnt sind, sich selbst anzulügen, dann werden Sie auch jetzt nicht die Wahrheit hören wollen. In diesem Fall nützt es, wenn Sie sich in die Haut Ihres besten Freundes/Ihrer besten Freundin versetzen. Fragen Sie sich, wie er oder sie Sie einschätzt und was er oder sie Ihnen raten würde.
Und nun für all diejenigen, die nicht so sehr auf all die "Gspürsch-mi-fühlsch-mi-Sachen" stehen, möchte ich doch noch konkret eine Antwort geben:
Suchen Sie so rasch als möglich eine Fachperson auf, wenn Erschöpfungssignale da sind. Im besten Fall bekommt eine Person Entlastung und ein paar Tipps und Tricks können helfen, den Umgang mit Druck und Stress zu verbessern. Wenn das nicht der Fall ist, heisst es eine Intervention einzuschlagen, welche die "Tipps-und-Trick-Kiste" übersteigt, um einen drohenden Burnout abzuwenden oder – wenn eine Person bereits sehr erschöpft ist, halt eben eine Krisenintvervention durchzuführen.

Erschöpfungssignale, welche man ernst nehmen sollte sind, wenn regelmässige Ein- und Durchschlafschwierigkeiten feststellbar sind, wenn die Motivation für sowohl für die Arbeit wie auch fürs Privatleben zunehmend schwindet, das Selbstwertgefühl und Gefühle überhaupt verblassen, wenn nach einem Wochenende oder nach Ferien keine Erholung spürbar ist, wenn der natürliche Humor abhanden kommt und stattdessen sich Zynismus breitmacht, chronische Verspannungen und Schmerzen, fehlende Lustlosigkeit auf "alles und alle", Häufung der Fehlerquote und Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, entsprechende Feedbacks von aussen, wie auch weitere Signale.
Nur ein Signal alleine bedeutet noch keine Depression und kein Burnout. Trotzdem: Wenden Sie sich an Ihren Arzt, Ihre Personalabteilung oder eine Fachperson, wenn Sie unsicher sind!