Freitag, 4. Dezember 2015

Haben Sie schon einen Schrittzähler?

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir haben ja schon fast alles und "brauchen" ja eigentlich wirklich nichts zu Weihnachten. Aber Schenken ist eben trotzdem schön, macht Spass und sollte Spass bereiten. Aber Hand aufs Herz: Was bringt ein Schrittzähler wirklich? Klar, Sie gehören dann auch zu den Trendsettern und können mitreden. Sie fühlen sich auch vermessen, bekommen täglich Feedbacks von Ihren Geräten und den installierten Apps und wissen, ob nun die betätigten Schritte im Verhältnis zum Gewicht, Ihrem Körperfettanteil, Ihrem Ruhepuls und der Schlafdauer ausreichen oder nicht. Pah, welche Sensation! Und ja, die Schrittzähler können tatsächlich nicht nur mit dem Handy und dem Laptop, sondern auch via Bluetooth und Ihrer entsprechend gerätekompatiblen Waage miteinander reden. Welch ein Fortschritt! Gerade im Fall eines Sehproblems oder dass Ihr Bauch die Waaganzeige verdeckt (ich kenne das aus den Schwangerschaften) können Sie wirklich froh sein, dass Ihre Waage mit ihrem Schrittzähler und damit mit Ihrem Handy in Verbindung steht!



Warum ich dennoch keinen Schrittzähler habe: Ich bin Psychologin und als solche gehört es zu meinen Aufgaben, mich mit Emotionen und dem Drum-und-Dran rund um Emotionen auszukennen. Ich brauche also keinen Schrittzähler, der mir sagt, ob ich genügend Bewegung hatte und ob die Bewegung im Verhältnis zu meinem ganz allgemeinen Befinden bzw. zu dem, was von meinem Befinden eben wie oben beschrieben (Ruhepuls, Körperfettanteil etc.) messbar ist. Ich spüre tatsächlich noch, ob ich mich genügend bewegt habe, ob ich mich zu schwer fühle, ob ich finde, ich hätte nicht genügend geschlafen etc. Denn wenn man zu wenig geschlafen hat, mag man sich infolgedessen auch nicht gleich stark bewegen. Logisch, oder nicht!? Brauche ich dafür einen Schrittzähler, der mir das sagt, was ich selbst auch schon weiss?
Nun, wer das nicht selbst und ohne Gerätefeedbacks feststellen kann, spürt vermutlich auch nicht, ob er oder sie genügend Schritte im emotionalen Bereich, also raus aus den Gewohnheiten und raus aus der Komfortzone unternimmt jeden Tag? Und ob er oder sie zu viel an emotionalem Ballast mit sich herumträgt? Und ob das Verhältnis der Schritte im emotionalen Bereich und dem emotionalen Ballast korrigiert werden sollte?
Meine Gefühle kennen mich besser als jedes App, bringen mich in keine externe Abhängigkeit und sind gute Freunde von mir. Auf sie ist (fast) immer Verlass! Sie kennen weder Wackelkontakt, noch leeren Akku, noch können sie liegengelassen werden, noch brauchen sie ein Update. Ach, wie einfach das Leben doch ist, wenn man in Begleitung von guten Freunden unterwegs ist!
Meine Empfehlung an Sie: Machen Sie den ersten Schritt und kommunizieren Sie Ihrem Umfeld klar und unmissverständlich, ob Sie einen Schrittzähler wünschen zu Weihnachten oder ob Sie lieber Zeit geschenkt bekommen - z.B. in Form eines Buches, in Form eines Konzerttickets, in Form eines Putzgutscheins, eines gemeinsam besuchten Kurses etc.

Frohe Advents- und Weihnachtstage!

Franziska Bischof