Montag, 23. Juni 2014

Risk the risk!?

Das Leben ist EIN grosses Risiko! Das Leben ist immer lebensgefährlich und alles, was wir tun ist riskant. Genauso aber auch das, was wir nicht tun! Kein Wunder also, klammern wir uns an Gewohnheiten fest. Gewohnheiten sind unser Gerüst im Alltag, das Sicherheit vermittelt. Gewohnheiten sind es aber auch, die uns lasch und träge machen, die uns unachtsam werden lassen, die unseren Blickwinkel einengen.

Es ist Sommer. Und jeden Sommer wagen wir es erneut, die langen Hosen im Kasten hängen zu lassen und statt dessen Bein zu zeigen - zumindest wir Frauen. Und ganz ehrlich, im Frühsommer braucht es dazu schon etwas Mut, weil die Beine noch käsig weiss sind. Und je mehr man es wagt, desto mehr Freude bekommt man, weiter Mut ins Abstreifen von alten Gewohnheiten zu investieren.


Gewohnheiten per se sind ja nichts Schlechtes. Aber
Gewohnheiten der Gewohnheit willen sind unglaublich langweilig und unattraktiv. Oder finden Sie es spannend, immer nur dieselben Gesprächsthemen zu pflegen? Vom Sex will ich hier nicht schreiben, aber Sie haben ja sicher eine eigene Phantasie und können sich ausmalen, wie viel Lust immer und immer wiederkehrende Gewohnheiten auslösen - kein Wunder wird die Lust durch Last ersetzt und der Sex schläft ein ...

Es tut gut, sich selbst beruflich und privat regelmässig einen Schritt nebst sich selbst zu stellen. So von aussen betrachtet, fällt es uns leichter, zu erkennen, wo und welche und allenfalls auch wie diese Gewohnheiten abgelöst oder zumindest erweitert werden könnten.



Nun ist die Krux an der Sache, dass gerade die Menschen, die es am
nötigsten hätten, Gewohnheiten zu verlassen, dies aus eigenem Antrieb gar nicht mehr schaffen, weil sie nämlich nah einer Erschöpfung, eines Burnouts sind. So weiter zu machen bedeutet, geradewegs weiter in die Krise zu investieren. In diesem Fall heisst es Timeout einlegen, reflektieren und analysieren - em effektivsten mit erfahrenen Fachpersonen zusammen - und mit den noch vorhandenen Ressourcen Aufbauarbeit leisten. Defizite schliessen, Fallstricke und -türen beseitigen, allenfalls energiefressende Beziehungen oder Beziehungsmuster hinter sich zu lassen und stattdessen Neues zuzulassen.

Nur für eine Minderheit von Menschen stimmt der vorangegangene Abschnitt nicht. Rund 5% der Bevölkerung trägt eine ausgeprägte ADHS-Ausprägung mit sich herum. Solche Menschen überfordern sich regelmässig und finden sich in der Erschöpfung wieder, weil sie genau kein Risiko an sich vorbeiziehen liessen. No risk no fun ist ihre Devise - zwar meist unbewusst, dafür unglaublich konsequent. Das Tragische aber ist, dass es nicht um "risk" dem "fun" wegen geht, sondern das Risiko an und für sich zur Gewohnheit wurde: Dinge werden aufgeschoben bis der Druck unwiderstehlich wird. Launen werden ausgelebt. Neues wird ausprobiert und angepackt, häufig aber dann nicht zu Ende gebracht.

Personen mit einer ADHS-Ausprägung können den Abschnitt "Nun ist die Krux ..." für sich so lesen,
indem sie das Wort Gewohnheit durch Risiko ersetzen. Dann stimmt er auch für sie. Für uns Psychologen hingegen heisst es, genau hinzuschauen und zu erkennen, wer nun zu welchem Typ Mensch gehört.  Zwar gilt auch für uns: Jeder Mensch ist einzigartig und das uns verbindende ist unser Hang und unsere Liebe zu Gewohnheiten.


Als Pädagogische Psychologin und als Paar- und Familientherapeutin bin ich mich gewohnt, Gewohnheiten abzugewöhnen - zuerst und ganz wichtig: Bei und mit mir selbst immer wieder, wie auch bei und mit meinen Kunden zusammen. Wollen auch Sie sich von alten Gewohnheiten entrümpeln? RISK the RISK!